2024 förderte das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit 180.000 EUR ein Browsergame, welches nicht nur die Grundidee des Videospielklassikers Snake plump kopierte, sondern auch in der technologischen Ausgestaltung wenig innovativ ist. Doch der Fall “Modern Snake” ist mehr als nur ein Meme: Er zeigt, wie undurchsichtig, ineffizient und politisch angreifbar die digitale Förderlandschaft in Deutschland derzeit ist.
Erst seit 2020 steht die Subventionierung von Videospielen durch die Einführung einer Bundesförderung mit auf der politischen Agenda in Deutschland. Besser spät als nie – jedoch war im Jahr 2023 der Andrang bereits so groß, dass bereits im Mai ein Antragsstopp nach insgesamt 50 Millionen Euro Fördergeld verhängt werden musste. Das zeigt deutlich, dass es dem Entwicklerstudio kr3m nicht an Konkurrenz gefehlt hat. Modern Snake macht exemplarisch deutlich, wie transaktionale Fördermodelle scheitern können – insbesondere, wenn sie auf unzureichende digitale Kompetenz treffen. Aber was kann konkret verbessert werden? Und wie kann Deutschland von anderen Ländern lernen?
Fallstricke für die deutsche Digitalförderung
Ein zentrales strukturelles Problem bei der Digitalisierung in Deutschland ist die Zersplitterung von Zuständigkeiten. Laut Professorin Renate Köcher vom Institut für Demoskopie Allensbach fehle es bislang an klaren Verantwortlichkeiten, was zu strategischen Defiziten führe. Diese Einschätzung deckt sich mit den Ergebnissen des Digitalreport 2024: 53 Prozent der befragten Expert*innen aus Politik und Wirtschaft sehen die fragmentierte Zuständigkeit als eines der größten Hemmnisse für eine wirksame digitale Transformation. 65% nennen zudem einen mangelnden strategischen Kurs. Diese fehlende Einheitlichkeit könne, wie im Fall des Snake-Klons, dazu führen, dass es keine einheitlichen Richtlinien gibt – daraus resultieren fehlende Innovation, Mitnahmeeffekte und zu niedrige Innovationshürden. Der worst case entsteht nun aber dadurch, dass die uninspirierten politischen Rahmenbedingungen auf ungeeignete Förderinstrumente mittels Gießkannenprinzip treffen. Für das neu entstandene Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung wird es eine Kernaufgabe sein, Zuständigkeiten zu bündeln und einen klaren strategischen Überbau zu skizzieren.
Wie es andere Länder besser machen
Modern Snake zeigt die Schwächen von transaktionale Fördermodelle auf, die – insbesondere in Kombination mit mangelhafter Kompetenz – zu subventionspolitischen Totalausfällen führen können. Wie es anders geht, zeigen Beispiele aus anderen Ländern. Singapur bietet Start-ups neben einer flächendeckenden IT-Infrastruktur gezielte Förderinstrumente und ein besonders gründungsfreundliches Steuersystem. Anstatt sich auf reine Geldspritzen wie im Fall des Unternehmens kr3m zu beschränken, setzt der Stadtstaat auf ein kompaktes und wachstumsorientiertes Steuermodell. Es vermeidet Doppelstrukturen, gewährt Steuererleichterungen auf erste Einkünfte und schafft so starke Anreize für Re-Investitionen und skalierbares Wachstum. Somit sind Innovation und ein vielversprechendes Geschäftsmodell Grundvoraussetzungen, zeitgleich werden Start-Ups beim Unternehmensaufbau unterstützt. In Chile wird ebenfalls auf das eindimensionale Verteilen von Fördergeldern verzichtet und stattdessen auf die Akkumulation von ausländischen Talenten gesetzt. Das Programm Start-Up Chile zog Gründer*innen aus über 85 Ländern an, die ihre Innovationen mit der lokalen Bevölkerung teilen. Das hat die Digitalwirtschaft belebt und zugleich neue Impulse für gesellschaftliche Teilhabe und Innovation geschaffen, was positive Effekte für die Gesamtgesellschaft mit sich bringt.
Der Fall Modern Snake ist kein Einzelfall, sondern symptomatisch für die konzeptionelle Schwäche der Digitalförderung in Deutschland. Es fehlt an strategischer Klarheit, einheitlichen Kriterien und einer Vision, die Innovation gezielt fördert statt zufällig verteilt. Internationale Beispiele wie Singapur oder Chile zeigen, dass effektive Förderung nicht nur in finanzieller Unterstützung besteht, sondern vor allem in klugen Rahmenbedingungen, klaren Zuständigkeiten und dem gezielten Aufbau digitaler Kompetenz auf staatlicher sowie unternehmerischer Seite. Genau hier kommt dem neu geschaffenen Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung eine große Verantwortung zu. Es muss die fragmentierten Zuständigkeiten bündeln, strategische Leitlinien entwickeln und dafür sorgen, dass Fördermittel zielgerichtet und innovationsorientiert eingesetzt werden. Möchte Deutschland im internationalen Wettbewerb nicht weiter zurückfallen, benötigt die Förderung der Digitalwirtschaft dringend ein Update.

